Slow Acting-Schauspiel

Mit der von uns entwickelten Methode Slow Acting, u.a. Kunst meditativer Langsamkeit, der Improvisation und gebärden-und körperorientierter Darstellung. Wir erforschen und manchmal zelebrieren wir auch, wie sich Schritt für Schritt, Bühnenfiguren entwickeln.
ZB. aus den, z.T. vorgegebenen Ausdrucksübungen, Texten, Zitaten und universellen Gebärden aus unterschiedlichen Kulturen.

Unsere improvisatorische Vorgehensweise mit allen Beteiligten ist wie ein Tanz auf dem Seil und bedeutet, noch im Unsicheren sicher zu handeln. Das ist der schöpferische Prozess, aus dem unsere Schauspiele entstehen. Sie sind unterhaltsam und intelligent, oft absurd, dramatisch, teilweise mit transzendierender Wirkung usw. Wir versuchen durch viele dramaturgische Extreme wie Langsamkeit und Stopps, ritualisierte Interaktion, atemrhythmisches Sprechen,

Junger Mann auf schwarzer Bühne zeigt eine Gebärde im Stile von Slow Acting
Junger Mann auf schwarzer Bühne zeigt eine Gebärde im Stile von Slow Acting

Ausdrucksübung im Stile des Zen, eine kreative Beziehung zur Gegenwart herzustellen. Wir betonen dabei vor allem die Kostbarkeit seelischer Werte. Sie werden im Alltag oft übersehen. Mit allen Beteiligten erforschen wir, immer dialogisch, wie sich physisch und psychisch der Wechsel von Spontaneität und Ritual, Entwicklung und Verwerfung, Leidenschaft und Ritual auswirkt. Dieser Wechsel ist ein Schwerpunkt unseres Trainings. Er bewirkt, dass unser Schauspiel Widerhall im Herzen des Publikums erzeugt.

Wir gehen mit unserer Methode Slow Acting sehr bewusst gegen den Trend der Schnelllebigkeit und Leistungsfixiertheit vor. Durch unsere künstlerischen und initiatischen Mittel, erfahren die Spielenden und erfahrungsgemäß das Publikum, wie durch ritualisiertes Wiederholen von Tönen und speziellen Gesängen, Worten und Lauten, von Bewegungsabläufen und Gehweisen….die innere Ordnung und Stabilität, immer wieder neu hergestellt werden kann.

Dabei geht es auch um das Training von Bühnenpräsenz. Und das in allen Spielen und Ritualen, in den szenischen Übungen und Interaktionen, in allen Handlungen. Gemeint ist absolutes Gegenwärtig-Sein auf der Bühne. Etwa so, wie es in der Meditation geübt wird. In einer Endphase des Trainings könnten komplette Darstellungen zur Meditation werden.
Authentizität und Integrität, auch diese Werte verankern sich durch das ritualisierte Üben und Darstellen auf unserer Bühne. Zentrales Anliegen des Slow Acting Schauspiel-Trainings ist das Erleben des gegenwärtigen Augenblicks.

Unsere Bühne ist für Wandlung und Wunder der stimmige Raum

Auf schwarzer Bühne hängt in der Mitte ein geroßes Bild, welches ein auge zeigt. Davor stehen zwei schwarze Stühle mit grünem Polster und ein schwarzer Tisch in der Mitte

Ästhetische und absurde Originalität

Slow Acting-Schauspiel fördert Spielpräsenz und Lebensqualität, Selbsterfahrung, Gewinn an sozialer Kompetenz und vor allem schauspielerisches Slow Acting-Handwerk.
Es ist Kulturen- und Genderübergreifend. Unsere Bühnenkunst ist avantgardistisch, experimentell und radikal, unorthodox und humorvoll.

Nach Aufführungen verteilen wir Fragebögen ans Publikum, mit der Bitte um Rückmeldungen. Manche Anregungen daraus haben die Chance, in die nächsten Aufführungen integriert zu werden. Auf diese Weise haben auch die Zuschauer Möglichkeit sich an unseren Schau-Spielexperimenten zu beteiligen. Jede Aufführung kann darum Veränderungen aufweisen.

 

Zwei junge Männer und in der Mitte eine Frau. Alle drei sitzen auf Stühlen im dunklen Raum. Sie tragen alle eine weiße, strubbelige Perücke und dunkle Sonnenbrillen. Sie blicken gerade in die Kamera.

Masken- und Kostümwerkstatt

Einen wesentlichen Anteil an der Methode Slow Acting-Schauspiel hat die Masken- und Kostümwerkstatt von Gianni Sarto.

Gianni Sarto ist Mitbegründer der Methode und Mitleiter der Trainings. In seinem Atelier im Theaterlabor stellt er die Kostüme her und schminkt die Spielenden mit oft aufwendigen Gesichtsmasken. Seiner umfassenden Kenntnis, auch im digitalen Foto- und Videobereich,  ist es zu verdanken, dass unsere professionellen Fotografien und Videoaufnahmen, unsere gemeinsamen Theaterproduktionen, Konzerte und Lesungen in der Theaterlabor Mediathek betrachtet werden können.

Nachhaltigkeit, Farbigkeit und Diversität ist uns wichtig

Die Kostüme und das Bühnenbild, sie werden aus recycelten Materialien hergestellt und bei Bedarf aus unsrem Fundus ergänzt. Unsere interdisziplinären Bühnenstücke werden für eine barrierefreie Videoproduktion erarbeitet. Nach der Premiere sollen sie einem breiten Publikum online zugänglich gemacht werden.

Ein weiteres Anliegen ist uns Diversität. Unser Ansatz besteht darin, für das Stück JETZT ein Ensemble zu finden, das aus drei Männern und / oder Frauen, unterschiedlichen Alters, mit PoC bzw. LSBTIQ.

Nach den Aufführungen wünschen wir uns vom Publikum, das es seine Eindrücke auf Fragebögen mitteilt. Anregungen daraus werden in unsere nachfolgenden Inszenierungen einbezogen. Unsere interdisziplinären Theaterstücke werden für eine barrierefreie Videoproduktion erarbeitet. Nach der Premiere soll es einem breiten Publikum online zugänglich gemacht werden.

Bühnenlicht

Antje Orentat entwickelt mit Gianni Sarto das Bühnenlicht. Sie ist auch zuständig für das Organisatorische, viele Projekte und Veranstaltungen des Theaterlabor Traumgesicht e. V.

Von innen nach außen

‚Gefühl ist alles‘
Diese Erkenntnis fand ich bei W. J. Goethe. Sie hat mich bei der Entwicklung des Slow Acting Schauspiel bestätigt. Du kennst das sicher auch dieses Unbehagen, wenn Gefühle unterdrückt, oder abgewertet werden. In unserem Training bist du mit allen deinen Gefühlen herzlich willkommen. Du wirst sie bald alle zulassen, erleben und verkörpern. Immer gerade so viel, wie du es magst und kannst. Und bei uns werden sie nicht  eingeordnet in gute oder schlechte Gefühle. Alle haben sie gleichermaßen Charakter und Substanz. Sie geben die Grundlage für den individuellen Ausdruck.

Unser Bühne befreit Gefühle durch reiche Ausdrucksübungen und ritualisierte Interaktionen bei der Darstellung unterschiedlicher Rollen. Diese Bühnenfiguren ergeben sich meistens sogar von selbst aus den genannten Übungen.
Selbstwirksamkeit, gesteigerte Ausdrucksfreude und authentische Selbstbestimmung nehmen zu, vor allem Rollenflexibilität und Darstellungs-Sicherheit. Und das nicht nur auf der Bühne! Ohne Leistungsdruck, ohne Kopfbestimmung erlebst du in Freiheit, was E. Barlach verspricht, nämlich:

Du darfst alles Deinige, das Äußerste, das Innerste, Gebärde der Frömmigkeit und Ungebärde der Wut, ohne Scheu wagen. Denn für alles, heiße es höllisches Paradies oder paradiesische Hölle, gibt es einen Ausdruck“.

Dieser Ausdruck entwickelt sich aus der Korrespondenz des Körpers mit den Gebärden, immer wieder neu, immer wieder anders und frei improvisiert.
Diese Vorgehensweise bringt die Figuren hervor und manche Kernthemen. Sie werden in szenischen Übungen ausgearbeit. Dieses physische und psychische Ausdrucks-Erleben öffnet, das bewusst großgeschrieben, große LEBEN, es verbindet mit der schöpferischen Tiefe. Du spürst das, weil es Momente sind von manchmal magischer Qualität. Sie sind erwünscht, diese  Berührungen mit der Transzendenz, durch die Sphäre von Spiel und Ritual. Der Alltag verschließt sich ihnen immer mehr.

Junger Mann auf schwarzer Bühne zeigt eine Gebärde im Stile von Slow Acting

Spontan Sein

Du wirst dich freuen, wenn die faszinierenden Facetten des Lebens auf der Bühne erfahren werden. Du durchläufst und gestaltest nämlich unterschiedliche Figuren und Situationen, alleine und in Interaktionen, nie einstudiert, immer improvisatorisch. So folgst du den augenblicklichen Eingebungen und Spielwünschen, die dramatisch, komödiantisch, auch musikalisch sein können, noch ohne festen Text. Dialoge entstehen im Moment, durch aufmerksames Hinhören und aus der Wahrheit des Augenblicks.

Du schöpfst aus der reichen, seelischen Innenwelt

Die Improvisationen selbst, mit ihrer wissenden und weisenden Energie, führen und  begleiten dich in allen Darstellungen,  und du füllst sie mit schöpferischer Kraft, so wie du es kannst und möchtest. Lampenfieber und Hemmungen lösen sich im Spiel. Die Sehnsucht, ganz bei sich selbst, aber auch mit anderen, im Spiel zu sein, erfüllt sich nun und kann  Ereignis sein.

Du kannst nichts falsch machen

Im Gegensatz zu draußen, kannst du als Bühnenfigur hier nie etwas falsch machen.
Z.B. bekommst du nach einem szenischen Spiel Rückmeldungen. Sie betreffen nur deine Figur, ihr Handeln, ihren körperlichen und verbalen Ausdruck, ihre Präsenz und Ausstrahlung, vor allem ihre Wirkung. Du als Person bleibst geschützt und wirst nicht bewertet. Der Unterschied aber, zwischen der Fremdwahrnehmung und deiner Eigenwahrnehmung, wird dir bewusst.  Diese Realitätsüberprüfung bringt Verbesserung der Authentizität.

Der Weg von außen nach innen

Durch strengere Ritualisierung aller Ausdrucksübungen und Darstellungen wird unsere  spezielle Ausdruckskunst trainiert. Sie wirkt von außen, vom körperlichen Ausdruck, ins Innere, dann kommt die Ausdrucks-Rückwirkung ins Spiel.  Die Körper-Bewusstheit erweitert sich und die Sphäre von Spiel und Ritual verändert dein Verhalten. Es wird  verfremdet!
ZB. werden deine Impulse oft stark verlangsamt. Sie erhalten so, für unsere angestrebte, avantgardistische Bühnenkunst spezielle Fähigkeiten. Dem unbewussten Bewegungsdrang sollte nicht mehr spontan gefolgt werden. An seine Stelle kommt das sehr bewusste Gestalten und Darstellen.

Aus dem Vielen soll das Eine werden

Noch eine Sehnsucht kann erfüllt werden, nach der Präsenz, die das Viele reduziert auf das Eine, auf das Wesentliche. Auf präzises Artikulieren durch atemrythmisches Sprechen wird nun Wert gelegt, auf prägnante Bewegungsabläufe, Gehweisen, Hand- und Leibgebärden … Sie werden meditativ ausgedrückt und mit eigener Inspiration kombiniert. Auch das Zusammenspiel von Leidenschaft und Ritual ist jetzt dran. Und die  Handlungen und Interaktionen bekommen oft kultisch-feierlichen Ausdruck, wobei der eingestreute expressive Ausdruck, Einseitigkeit verhindert.

Diese Darstellungsweise hat im deutschsprachigen Raum ein Alleinstellungsmerkmal!

Auf schwarzer Bühne hängt in der Mitte ein geroßes Bild, welches ein auge zeigt. Davor stehen zwei schwarze Stühle mit grünem Polster und ein schwarzer Tisch in der Mitte

Das Wesen und seine Gestaltwerdung

Unsere Bühnenkunst ist assoziiert mit den Zen-Künsten und ihrer traditionellen WEG-Ausrichtung, mit dem Nô-Spiel, dem Butoh-Tanz und fernöstlichen Bühnenritualen. Unsere Kunst kann das tiefe Wesen berühren, in dir und im Publikum. Das ist, mit den Worten von Graf Dürckheim:

„die Weise, in der das Sein in einem Menschen danach drängt, in bestimmter Gestalt offenbar zu werden“.

Dieses spezielle Drängen nach Offenbarung, das mehr oder weniger, bewusst und unbewusst uns allen, irgendwie mitgegeben ist, wird im Training durch bestimmte Übungen und Darstellungen unterstützt. Vor allem durch das Verkörpern vieler Figuren. Du gewinnst künstlerische und persönliche Erneuerung. Darum:

„…nicht müde werden, sondern dem Wunder, wie einem Vogel die Hand hinhalten“ Hilde Domin.

Erlebst du dich angesprochen von unserem Training?
Wenn ja, dann komm dazu und erlebe dich willkommen. Wir sind eine kleine, freundliche und experimentierfreudige. Gruppe.
Wir trainieren immer montags, von 18 Uhr bis 21 Uhr.

Weitere Infos zur Anmeldung findest du mit diesem Button auf der Seite des Theaterlabor Traumgesicht.